Radreise ans Nordkap von Flensburg - Teil 2: Nord-Norwegen und Nordkap
Auf meinem Weg zum Nordkap geht es in diesem zweiten Teil nach meinem Mittagessen in Trondheim weiter Richtung Norden. Den ersten Teil findest du hier:

Mit der Fähre kreuzte ich meinen ersten Fjord für nur 7 €. Insgesamt waren es am Ende der Reise 18 Fährfahrten, von denen ich nur zwei bezahlen musste (Hirtshals und Trondheim). Leider war es am Nachmittag regnerisch, und bei nur 7 °C war ich froh, am Abend ein Lagerfeuer an einem Shelter zu haben. Ich traf am nächsten Tag Edwin, der vor 6 Monaten in Gibraltar gestartet war. Wir radelten drei Tage zusammen und teilten uns eine Hütte auf einem Campingplatz für einen regnerischen Pausentag.




Die Küste bis Bodø war beeindruckend, außerdem spielte das Wetter wieder mit. Nach jedem Tunnel oder jeder Kurve gab es tolle Ausblicke, und es fühlte sich an, als wären es jedesmals ganz andere Berge und Fjorde. Die Zeltplätze wurden auch immer schöner, sodass sich mein Klappstuhl zum Genießen der Aussichten sehr oft lohnte.
Lofoten
Von Bodø aus ging es mit der Fähre zu den Lofoten. Sie sind schön, aber im Vergleich zum vorherigen Streckenabschnitt war es nicht so mein Geschmack. Es war schwer, einen Zeltplatz zu finden, weil überall „Camping verboten“-Schilder standen oder bereits ab 16 Uhr Camper dort waren.
Ich habe auf den Lofoten drei Wanderungen gemacht, die sehr touristisch waren. Das Schlimme daran war jedoch der Muskelkater, den ich davon bekommen habe. Ich kann tausend Kilometer ohne Probleme radelfahren, aber vom Wandern bekomme ich einen so starken Muskelkater, dass ich erst einen Tag Pause brauchte, den ich in Svolvær verbrachte.
Nach Svolvær kam der modernste Shelter auf dem Weg: ein zweistöckiger Kubus mit einer Rundum‑Fensterfront im oberen Stockwerk, von dem aus man einen super Ausblick auf das Meer hatte. Den Shelter genoss ich bereits ab meiner Mittagspause, als es am Nachmittag regnete.


Andøya und Senja
Mit Andøya wurde es gefühlt wieder schöner und weniger touristisch. Viele, die ich nördlich der Lofoten getroffen habe, waren ebenfalls auf dem Weg zum Nordkap und kamen nicht nur für die Lofoten. Auf Andøya bin ich auch am Raketenstartplatz von Isar Aerospace vorbeigekommen. Es war sehr interessant, den Startplatz zu sehen, wo im Frühjahr der erste Start spektakulär fehlgeschlagen war.
Dort stand eines der modernsten Toilettenhäuschen an einem Rastplatz. Es hatte verspiegelte Scheiben und einen direkten Ausblick auf die Startrampe und die Küste. Entlang der Scenic Route der Küste kämpften die Architekten förmlich um das modernste Toilettenhäuschen.
Auf Senja zeltete ich zweimal an wunderschönen Sandstränden, beide Male mit Chloé, mit der ich bereits die Nacht vor Bodø einen wunderschönen Sonnenuntergang an einem Strand erlebt hatte.


Nordkap
Nach einem Pausentag in Tromsø ging es bei schönstem Wetter, aber inzwischen etwas niedrigeren Temperaturen, weiter Richtung Nordosten. Mit einer trüben Wettervorhersage wurden die Distanzen der kommenden Tage immer länger, um vor dem Regen am Nordkap anzukommen.
Nachdem ich schon einige Polarlicht‑Vorhersagen verschlafen hatte, schaffte ich es „kurz“ vor dem Ende doch noch, welche zu sehen. Sie waren leider nicht so stark wie erhofft, aber für mich genauso erkennbar wie auf den Fotos.
Nach 39 Tagen am Nordkap anzukommen war ein tolles Gefühl, auch wenn sich die letzten Kilometer hinzogen. Nach 50 km an dem Tag kam für mich der Nordkaptunnel. Bis auf den letzten Kilometer im Tunnel bei 9 % Steigung, war es interessant 212 m unter dem Meeresspiegel zu fahren und nicht so gefährlich und dunkel wie berichtet. Nebel hatte ich auch keinen, bwohl ein Schild davor warnte. Auf der Nordkapinsel fingen dann auf den weiteren 50 km die 800 Höhenmeter an. Auch wenn man das Nordkap schon früh aus der Ferne sieht, zieht sich die Strecke dennoch hin, bis man es erreicht hat.

Nach dem Pflichtfoto am Globus zahlte ich den Eintritt (25 €) für das Nordkapgebäude und trank dann im Cafe eine heiße Schokolade mit gutem Ausblick. Ich kaufte mir noch eine Nordkapmütze und paar Postkarten. Nach einem schönen Sonnenuntergang baute ich dann mein Zelt unterhalb des Parkplatzes auf und fiel nach einem so anstrengenden Tag und am Ziel meiner Reise, schnell ins Bett (immer noch Schlafsack 😅).

Rückreise
In der Nacht am Nordkap regnete es mit Wind etwas in mein Vorzelt und durchnässte meine Radklamotten, sodass ich mich auf der Rückfahrt nach Honningsvåg leicht erkältete. Dort im Hotel traf ich Anke, eine Radreisende, die – wie sich später herausstellte – an meinem ersten Tag in Dänemark überholte. Schwer bepackt radelte sie in derselben Zeit ans Nordkap, jedoch über Schweden mit weniger Höhenmetern und Kilometern.
Am nächsten Tag fuhren wir beide mit der Hurtigruten Richtung Süden. In 17 Stunden erreichten wir Tromsø, wo ich erneut zwei Nächte verbrachte. Sie fuhr weiter nach Trondheim und setzte die Reise mit dem Zug fort. In der Zwischenzeit organisierte ich einen Fahrradkarton und flog anschließend über Frankfurt nach Hause.
Fazit
Ich kann es jedem nur empfehlen. Mir hat die Reise einfach so viel Spaß gemacht. Ich fand sie deutlich besser als meine Tour nach Istanbul. Ja, ich muss zugeben, ich hatte sehr viel Glück mit dem Wetter, aber trotzdem möchte ich wieder hin. Für mich war es unterwegs mit Sprache und Kultur einfacher. Auch das erlaubte Wildzelten hat das Ganze mental erleichtert. Das Einzige, das nicht so toll war, ist, dass es kaum Restaurants oder Cafés gab, in denen man eine Pause machen oder essen konnte. Im Gegensatz zu Istanbul gab es dort fast nur Supermarktketten.
Was kommt als Nächstes?
Das nächste Mal Norwegen wird dann die Küste südlich von Trondheim und die Berge zwischen Oslo und Bergen. Aber die nächste Reise hat ein etwas anderes Ziel. Dorthin zieht es mich seit bevor ich meine erste Radreise gemacht habe. Aber vor der nächsten großen Reise, wird es wahrscheinlich wieder eine kleine Testtour in Deutschland geben.
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