Meine Ausrüstung für 25.000 km

Meine Ausrüstung für 25.000 km
Sonnenuntergang mit Zelt am Hauklandstrand, Lofoten, Norwegen

Was packt man ein, wenn man von Alaska bis Argentinien radeln will?

Nach meinen Testtouren nach Istanbul und ans Nordkap habe ich einiges über Bikepacking gelernt. Jetzt wird es ernst: Die Panamericana wartet, und jedes Gramm will durchdacht sein.

Das Grundprinzip

Mein Setup basiert auf klassischen Gepäckträgertaschen, aber in der kleineren Bikepacking Ausführung von Ortlieb. Warum? Weniger Gewicht, bessere Gewichtsverteilung und flexibler bei unterschiedlichem Terrain. Mit meinem Gravelbike will ich auch mal abseits der Straße fahren können.

Die goldene Regel: So wenig wie möglich, so viel wie nötig. Klingt einfach, ist es aber nicht. Besonders, wenn man für Temperaturen von 0°C bis 40°C packen muss.

Mehr zu meinem Panamericana Plan:

Panamericana - ich komme
2026 (und 2027) ist es so weit. Nach Jahren des Träumens geht es Ende Mai/Anfang Juni in Alaska los 😄. Das erste große Ziel wird es sein von Deadhorse, ganz im Norden von Alaska, über den Yukon und British Columbia durch Kanada nach San Francisco zu kommen. Bis zur Grenze

Gewicht

Das nackte Rad wiegt 11 kg. Vollbepackt, aber ohne Wasser, Nahrung und Gas, komme ich auf 28 kg. Mit vollen Wasserflaschen und Proviant für mehrere Tage sind es dann schnell über 35 kg. Aber immer noch leichter als so manche andere Radreisende (50+ kg) 😏.


Das Rad

Rose Backroad AL (2024) in der Everyday Ausführung. Das bedeutet: Gepäckträger, Schutzbleche und Nabendynamo sind schon ab Werk verbaut. Ein solides aluminium Gravelbike, das sowohl auf Asphalt als auch auf Schotter eine gute Figur macht.


Schlafen

Zelt: MSR Hubba NX

Das Zelt ist mein Zuhause für die nächsten 17 Monate. Das MSR Hubba NX bietet:

  • Schneller Aufbau (wichtig, wenn das Wetter kippt)
  • Freistehend (funktioniert auch auf felsigem Untergrund)
  • Gute Belüftung für warme Nächte, da es ohne Außenzelt aufgebaut werden kann

Schlafsack: Nemo Disco -1 °C

Ein Daunenschlafsack mit genug Wärme für kühle Nächte in den Bergen.

Isomatte: Therm-A-Rest NeoAir Topo Luxe

Der vorgänger NeoAir Venture war mir zu dünn und zu klein. Die neue hat einen R-Wert von 3,7, füllt das gesamte Zelt aus und hat eine Höhe von 10 cm. Das war und ist wichtig für kalte Nächte damit die Kälte von unten durchzieht oder meine Hände neben der Matratze liegen! Die Alaska- und Patagonien-Abschnitte können auch im Sommer empfindlich kalt werden. Gleiches gilt für Baja California und die Wüsten im Winter.

Kissen

Luxus? Vielleicht. Aber nach 80-130 km am Tag hat man sich einen guten Schlaf verdient. Leicht und aufblasbar (vielleicht noch ein weicherer Überzug)


Abendessen bei Sonnenuntergang am Strand (bei Mevik, Norwegen)

Kochen

Gaskocher: Primus Express Spider II

Der Spider hat einen separaten Brennerkopf mit Schlauch. Das bedeutet:

  • Stabiler Stand für größere Töpfe
  • Funktioniert auch in kälteren Temperaturen durch Vorwärmung
  • Kann auch zu Benzinnutzung konvertiert werden

Das Benzinkonvertierungskit ist schon geliefert, aber noch nicht getestet. In Deadhorse gibt es keine Gaskartusche zu kaufen, deswegen brauche ich sie dort schon. Es ist mit einer 300 ml Benzinflasche geliefert worden. Jetzt heißt es ausprobieren wie lange die Flasche reicht.

Topf und Geschirr

Ein Topf muss reichen. Um Nudeln mit Pasta, Gemüse und/oder Würstchen zu kochen nutze ich einen 1,3 Liter Topf von MSR. Mein Göffel (Gabel-Löffel-Kombi) hat den Balkan nicht überlebt, deswegen bin ich auf Decathlon Camping Besteck umgestiegen.

Wasser

  • 3x Sportwasserflaschen
  • Wasserfilter: Unerlässlich in abgelegenen Gebieten wie kommend in Alaska

Kleidung

Das Layering-Prinzip ist der Schlüssel für den extremen Temperaturbereich:

Basis-Schicht

  • Merino-T-Shirts (geruchsneutral, auch nach Tagen noch tragbar)
  • Unterhose
  • Socken (kurz, lang und warm)

Isolierung

  • Daunenjacke (leicht und komprimierbar)
  • Warme lange Unterwäsche für kalte Nächte

Regen und Wind

  • Regenjacke
  • Regenhose
  • Helmüberzug
  • Schuhüberzüge

Radeln

  • 2 Radlhosen
  • Eine Windstopperjacke

Für danach

  • Zip-off Hose
  • Badehose (Costa Rica ruft!)

Technik

  • Coros Dura für Navigation
  • Smartphone als Backup

Strom

  • Powerbank 2x 20.000 mAh
  • Ladekabel und Stecker für alles

Dokumentation

  • Kamera
  • Stirnlampe (mit Rotlicht für nachts)

Ortlieb Taschen halten auch wunderbar im Regen (Regentag bei Straumen, Norwegen)

Packsystem

Nach nun einigen Touren hat sich folgende Aufteilung bewährt. Nass heißt hier nicht, dass die Taschen nicht wasserdicht sind, sondern dass die Sachen, wenn sie beim zusammenpacken feucht sind, nicht in die Tasche mit der trockenen Kleidung kommen. Mit meinen Ortlieb Taschen bin ich sehr zufrieden.

  • Kleidung

Gabelpack Rechts (nass)

  • Handtuch
  • Waschzeug
  • Badehose
  • Schlafsack
  • Isomatte
  • Schlafsack-Inlay
  • Daunenjacke
  • Kissen

Hinten Rechts (nasse Tasche)

  • Stuhl (ja, der Luxus bleibt!)
  • Zelt mit Heringen
  • Flip-Flops
  • Zeltunterlage

Rahmentasche

  • Ersatzschlauch
  • Warnweste
  • Lappen
  • Werkzeug

Lenkertasche

  • Kamera
  • Powerbank
  • Stirnlampe
  • Taschenmesser
  • Sonnenbrille
  • Ladekabel
  • Tagesrucksack

Gepäckträgertasche

Vielleicht auch ersetzt mit einem Bärenkanister für Alaska und Kanada

  • Essen
  • Kocher

Was ich weggelassen habe

Diese Sachen haben es nicht in die Packliste geschafft:

  • Tasse: brauche ich einfach nicht
  • Zweites Paar Schuhe: Stattdessen Flip-Flops für abends und Strand. Meine Klickschuhe sind für SPD-Pedale mit versenkten Cleats. Damit kann ich auch problemlos durch die Stadt laufen.

Lessons Learned

Aus den Probetouren 2025 habe ich einiges mitgenommen:

Was gefehlt hat:

  • Schwamm zum Abspülen
  • Zweite Radhose, auch wenn ich darauf ganz verzichten möchte
  • Ordentliches Feuerzeug
  • Lesestoff für Pausentage

Was sich bewährt hat:

  • Der Stuhl! Nach einem langen Tag einfach unbezahlbar
  • Merino-Kleidung länger tragbar, da es weniger stinkt
  • GPS mit guter Akkulaufzeit (eine Akkuladung nach Istanbul, zweimal geladen in Norwegen)
  • Die zwei Snackbags am Lenker. Eine für die dritte Wasserflasche und die zweite für eine Cola, Müll oder die Zahnbürste.

Was vielleicht noch kommt:

  • Solarpanel oder Dynamo-USB-Lader um unterwegs Strom zu generieren
  • iPad für die digitale Arbeit und mein Homelab up-to-date zu halten

Fazit

Die perfekte Packliste gibt es nicht. Jeder Radreisende hat andere Prioritäten und Bedürfnisse. Meine Devise: Lieber bequemer mit z.B. einem Stuhl und dafür etwas langsamer reisen als zu schnell und unkomfortabel.

Die Reise wird zeigen, was wirklich nötig ist und was rausfliegt. Gibt aber nicht mehr viel was weg kann 😄 Updates folgen!


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