Kenai Halbinsel - südlich von Anchorage
Das Wetter ändert sich, Pläne müssen angepasst werden. Gut in Anchorage angekommen musste ich mich entscheiden ob ich nach Deadhorse, im Norden Alaskas fliege und den Dalton Highway radln möchte. Der Wetterbericht war nicht auf meiner Seite: um die null Grad und die Hälfte der 8 Tage Schnee/Regen. So konnte ich aber mit weniger Gewicht los radln und meine Thermokleidung und den zweiten Schlafsack zurücklassen.
Anchorage
Meinen ersten Tag in Anchorage nutze ich hauptsächlich um umzuplanen was die Alternativen sind statt Deadhorse. Am Nachmittag habe ich mir noch das Stadtzentrum angeschaut. Da es Sonntag war, war es sehr ruhig und es hatten nur wenige Geschäfte offen.
Anchorage hat mir nicht so gut gefallen. Es waren viele Obdachlose anzutreffen und wie man sich eine Amerikanische Stadt vorstellt: sehr Auto orientiert.



Das die Stadt nicht so sicher ist lernte ich an Tag zwei als ich vom einkaufen eines Bärensprays und einer Gaskartusche zurück kam. Ich hatte mein Rad zusammengebaut und bin zum REI geradelt. Am Laden hatte ich es wie gewohnt davor abgesperrt. Im Hostel wurde mir dann gesagt das sie ihre Leihfahrräder nicht mehr in die Gegend lassen und ich mein Fahrrad einfach mit in den Laden nehmen kann.
Aufbruch
An Tag 3 ging es los. Erstmal zu Wallmart und dieses mal mit dem bepackten Fahrrad in dem riesigen Laden einkaufen für 2 1/2 Tage. Schon ein komisches Gefühl aber anscheinend normal und so viel Auswahl. Von Waffen, Fernseher und co. bis Essen. War etwas überfordert 😅
Dann ging es für rund 15 km aus der Stadt raus auf einem separaten Weg aber dann kam der Seward Highway. Dieser hatte aber einen schönen breiten Seitenstreifen. Manchmal sauberer aber auch manchmal auch sehr viel Split. Das war dann schon mal meine Gravel Übungsfahrt.






Stückchen weiße war auch ein Radweg vorhanden. Ca. 1/4 des Tages. Auf einmal sah ich dann im Wald auf dem Radweg etwas schwarzes Vierbeiniges vor mir wackeln. Ich hatte die Sicherung am Spray noch nicht aufgeschnitten bis ich das geschafft hatte war der Bär schon verschwunden. Mit vorsicht und singend bin ich dann weiter gefahren. Ab sofort bereit für den nächsten.
Am Ende des Fjords angekommen floss gerade das Wasser mit den Gezeiten Richtung Meer. So sah ich meine ersten Seekopfadler die das niedrige Wasser zum Fischen nutzten. Kurz vor den Anstiegen suchte ich mir eine Zeltstelle am See. Unterhalb von den schneebedeckten Bergen echt schön. Dort hatte ich dann eine ruhige aber kühle Nacht.
Vielen herzlichen Dank an alle meine Unterstützer ❤️
Johannes, Lucas, Peter
und
Carmen, Helga, Michael
Die Pizza die zur Entstehung dieses Blogposts führte, findet ihr am Ende des Blogeintrages.
Berge
Während ich im Sonnenschein frühstückte und zusammenpackte spazierte ein Elch durch den See und graste auf der anderen Seite. Nun fehlt mir noch der Grizzly 😅.
Bevor es mit spürbaren Beinen in die Anstiege ging musste ich noch Wasser organisieren. Der nächste Laden wäre in 60 km gewesen aber ich fragte noch im Tierpark der in 2 Kilometern kam. Dieser hatte einen Kiosk wo ich mich eindeckte.
Nach dem ersten Anstieg war ich über der Baumgrenze und es erinnerte mich an Norwegen. Dort packte ich dann meinen Klappstuhl aus und machte Mittag. Die ganzen Rastplätze haben zwar Toiletten aber keine Sitzmöglichkeiten.





An dem Laden angekommen waren die meisten Höhenmeter geschafft. Dort gönnte ich mir dann ein gutes Schokoeis, da es doch ziemlich warm war. Laut Navi mit bis zu 32 Grad. Und natürlich immer wenns bergauf ging ohne Wind 🥵. So holte ich mir auch den ersten leichten Sonnenbrand.
Direkt hinter dem Laden war ein Campground am See. Weil es gut passte, ein Platz direkt am Wasser frei war und einfach sehr schön war bleib ich da. Nachdem ich mich kurz im See gewaschen hatte kamen ca. 2-3 Stunden später plötzlich zwei andere Radreisende, Elle und Cody aus Ohio, vorbei. Die zwei radeln bis Mexiko und schleppen Kletterausrüstung für die Berge auf dem Weg mit. So verbrachten wir einen schönen Abend zusammen.
Bergab
Auch diese Nacht war etwas kühl aber die Sonne war schnell da. Mit Sonnenuntergang um 23:30 und Aufgang um 4:30 muss ich Nachts mein Buff/Schlautuch über die Augen ziehen und falls ich aufwache immer prüfen wie viel Uhr es ist. Leider musste ich feststellen das meine Luftmatratze ein Loch hat. So klein das in der Früh noch über die Hälfte an Luft drinnen ist aber im See unter Wasser konnte ich es nicht finden 🙄. Meine aktualisierte Packliste:

Mit Cody und Elle ging es bis auf einen Mittagstop an einem kleinen Laden bis nach Seward. Im Windschatten von Cody und nur bergab ging das richtig zügig. Elle ist ihr eigenes Tempo gefahren und alle paar Kilometer haben wir auf sie gewartet. Falls etwas war standen die zwei immer mit Walkie-Talkies in Kontakt. Bei den Pausen erzählte Elle dann immer von Namen die sie den Bergen gegeben hatte wie z.b. Sharktooth, Rockerfeller Center oder Cookie Crumble.
Seit ich auf der Straße war habe ich nach einem Alaska Nummernschild ausschau gehalten aber keins gefunden. Nach nur paar Sekunden als ich mit Cody darüber geredet hatte fand ich eins und sogar noch ein kleines für Motoräder 🍀. Sie sind dann kurz Seward zum Exit Gletscher für ihre erste Bergtour abgebogen. Theoretische werden sich unsere Wege noch zweimal kreuzen. Mal schauen wie es zeitlich aussieht.





Für mich ging es zum Hostel in Seward um mal wieder richtig zu duschen. Zum Abendessen gabs dann einen Foodtruck Burger. Den restlichen Abend reparierte ich dann die Karten Synchronisation der Webseite.
Rückfahrt nach Anchorage und Pause
Nach einer etwas harten Nacht hatte ich den 7. Tag noch um mir die Stadt anzuschauen. Ich hätte eine 6 stündige Gletscherbootstour machen können aber das Wetter war sehr kalt und windig. Vom Meer sind die Wolken durch die Stadt gezogen.





Um den weg nicht zurück zu radln buchte ich mir einen Bus der leider erst um 18 Uhr nach Anchorage ging. So kam ich gegen 22 Uhr wieder in dem gleichen Hostel in Anchorage an. Hier bleibe ich ein bis zwei Tage um nochmal etwas regen auszusitzen. Das entscheide ich kurzfristig. Außer diesen Blogpost zu schreiben nutzte ich die Zeit noch das Anchorage Museum anzuschauen. Sehr interessant und viele Themen. Außerdem ist es das einzige moderne Gebäude 😅. Danach geht es dann Richtung Norden bis zum Denali Nationalpark. Dort werde ich am 15. Till treffen.
Fazit
Bisher gefällt mir Alaska richtig gut. Das Wetter spielt mit und die bisherige Strecke war toll. Ja es ist schade nicht ganz im Norden angefangen zu haben aber damit habe ich mich inzwischen abgefunden.
Ich muss mich immer noch an die Unterschiede gewöhnen wie z.B. das der Kellner mit der Kreditkarte weg geht, Autos an Zebrastreifen Vorrang haben, man an der roten Ampel nach einem Stop rechts abbiegen darf, die großen Portion zum Essen oder das jedes Kartenterminal nach 20% Trinkgeld fragt (verstehen Elle und Cody auch nicht 😅).
Und nun nur für meine Sponsoren sichtbar das Bild meiner Pizza aus Anchorage. Die ersten Postkarten sind auch schon in Bearbeitung. Vielen Dank euch 😊
